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Beiträge

Effizienz-Falle: Was bedeutet der Rebound-Effekt?

© moerschy/Pixabay
Moderne Waschmaschinen benötigen weniger Energie als alte Geräte. Doch verbrauchen wir deswegen auch weniger Strom? © moerschy/Pixabay

| Kira Crome |

Kühlschränke, Autos, Energiesparlampen: Was wir täglich nutzen, wird durch technische Innovationen immer energieeffizienter. Doch gehen wir auch sparsamer damit um? Wissenschaftler des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung untersuchen den sogenannten Rebound-Effekt bei der Nutzung erneuerbarer Energien.

„Ich bin Energiesparer“ stand in weißen Lettern schwarz-rot-gelb umrandet auf dem ovalen Aufkleber. Ein echter Klassiker der achtziger Jahre, der damals auf Türen, Schultaschen und Autos pappte. Mit dem Slogan rief eine Marketingkampagne des Bundeswirtschaftsministeriums die Deutschen 1980 zum Energiesparen auf. Vorangegangen war die letzte große Ölkrise. Sie hatte den sparsamen Umgang mit endlichen Ressourcen ins Kollektivbewusstsein gerückt. Inzwischen ist die Technik vorangeschritten: Kühlschränke oder Waschmaschinen verbrauchen nur einen Bruchteil des Stroms, den alte Geräte fressen. Energiesparlabel zeichnen energieeffiziente Haushaltsgeräte aus. Wer sie nutzt, tut etwas für den Klimaschutz. Doch gehen wir auch sparsamer mit der Ressource Strom um?

Wissenschaftler des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) wollen einem bekannten Paradoxon auf den Grund gehen, das Ökonomen den „Rebound-Effekt“ nennen: Energieeffizientere Gebrauchsgüter führen letztlich dazu, dass diese nicht weniger, sondern mehr genutzt werden – und so der Klimaschutzgewinn aus der erreichten Energieeffizienz de facto aufgezehrt wird. „Dieser Rückkopplungseffekt tritt auf, wenn trotz Effizienzverbesserungen der Verbrauch einer Ressource nicht in dem Maße sinkt, wie es eigentlich zu erwarten wäre“, erklärt Julika Weiß vom IÖW das Phänomen. Der Begriff „Rebound“ ist landläufig aus dem Basketballsport bekannt: So wird der unkontrollierte Abprall des Balls vom Brett oder Ring nach einem misslungenen Wurf auf den Korb bezeichnet. Was zu diesem Rückkopplungseffekt führt, will Weiß mit ihrem Team und einer Reihe von Praxispartnern im Forschungsprojekt „Erneuerbare Energien-Rebound“ näher untersuchen. Die Erkenntnisse könnten helfen, dass Energieeffizienzgewinne künftig tatsächlich zu den angestrebten Energieeinsparungen führen.

Gehen Ökostrom-Verbraucher und Prosumer sparsamer mit Strom um?
Die Wissenschaftler nehmen in ihrer Studie Haushalte in den Blick, die auf Ökostromanbieter umgestiegen sind oder die mit eigenen Erneuerbare-Energien-Anlagen selbst Strom oder Wärme erzeugen. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, wie sich der Wechsel auf erneuerbare Energien letztlich auf den Energieverbrauch der Haushalte auswirkt. Beeinflusst das gute Gewissen, umweltfreundlichen Strom zu beziehen, das Verbrauchsverhalten und die Bereitschaft zum Energiesparen? So lautet die Forschungsfrage.

Zum Beispiel bei Kühlschränken. Effizientere Kühlgeräte benötigen weniger Strom. Wenn durch den niedrigeren Stromverbrauch Kosten eingespart werden, wird das größere oder gar zusätzliche Gerät attraktiver. Auch Autos verbrauchen heutzutage weniger Sprit als früher. Sinkt der Kraftstoffverbrauch pro gefahrenem Kilometer, reduzieren sich die laufenden Kosten – und so erhöht sich der Anreiz, das Auto etwas häufiger zu benutzen. Bei Rebound-Effekten geht es also um einen Preiseffekt, aber auch um Komfortgewinn.

Beim Umstieg auf erneuerbare Energien sei das jedoch anders, erklärt die Forschungsleiterin. Wer Ökostrom bezieht oder in eine Erneuerbare-Energien-Anlage investiert, müsse meist mit höheren laufenden Kosten rechnen. Der finanzielle Anreiz, Energie einzusparen, steige also – und damit bliebe der erwartete Rebound-Effekt aus. „Da grüner Strom meist teurer ist als herkömmlicher, gehen wir davon aus, dass Kosteneinsparungen beim Umstieg auf erneuerbare Energien wahrscheinlich nur bedingt eine Rolle für Änderungen im Verbrauchsverhalten spielen“, sagt Weiß. „Deshalb können wir an diesem Beispiel besonders gut untersuchen, ob Rebound-Effekte jenseits finanzieller Einflussfaktoren auch von sozialen Normen, Einstellungen und psychologischen Faktoren abhängen.“

Bessere Einsichten in nicht-monetäre Ursachen
Um herauszufinden, welche Faktoren zu Rebound-Effekten bei der Nutzung erneuerbarer Energien führen und in welcher Größenordnung, führt das Forschungsteam Interviews in ausgewählten Haushalten durch, um die Einstellungen zur Nutzung erneuerbarer Energien und etwaige Verhaltensänderungen seit dem Wechsel auf Ökostrom zu ermitteln. Quantitative Erhebungen sollen zeigen, wie groß Rebound-Effekte sind und warum sie eintreten. Anhand der Daten wollen die Wissenschaftler die ökonomischen und ökologischen Auswirkungen eines Stromanbieterwechsels auf Ökostrom abschätzen. Die Erkenntnisse sollen in Vorschläge münden, wie Rebound-Effekte vermieden werden und energiesparende Tendenzen besser unterstützt werden können.