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BBEn-Broschüre: Wie Energiegemeinschaften die richtigen Unterstützer finden

© Solarimo/Pixabay

| Kira Crome |

Die Stakeholderanalyse gehört inzwischen zum 1×1 des Projektmanagements. Sie hilft, Schlüsselakteure und Interessengruppen, die von einem geplanten Projekt betroffen sind, auszumachen und gezielt zu adressieren. Wie das Bürgerenergiegemeinschaften beim Vorantreiben der Energiewende am besten gelingt, zeigt eine neue Broschüre des Bündnis Bürgerenergie (BBEn) auf.

Bevor Solaranlagen errichtet, Sharing-Konzepte entwickelt, Ladesäulen gebaut oder alternative Mobilitätsangebote etabliert werden können, heißt es für Bürgerenergiegenossenschaften: Mitstreiter, Wegbereiter, Impulsgeber, Unterstützer, Partner, Förderer finden, gewinnen und motivieren. Egal ob sie der Lokalpolitik, der Kommunalverwaltung, örtlichen Behörden, Unternehmen oder der Bürgerschaft vor Ort angehören – es gilt, das Projektumfeld sorgfältig zu analysieren und alle die Personen zu identifizieren, die für die Projektumsetzung von Bedeutung sind. Stakeholderanalyse nennt sich das Konzept. Es kommt aus dem Projektmanagement und bezeichnet ein systematisches Vorgehen. Es zielt darauf ab, die verschiedenen Akteure, Institutionen und gesellschaftlichen Gruppen zu ermitteln, die von dem geplanten Projekt direkt oder indirekt, positiv oder negativ betroffen sind oder ein sonstiges Interesse daran haben.

Diese Interessengruppen und deren Sichtweisen im Vorfeld genau zu kennen, hat mehrere Vorteile. Es wird klarer, welchen Einfluss einzelne Interessengruppen auf das Projekt haben – oder nehmen könnten. Das hilft einerseits, Beziehungen sowie Entscheidungswege besser zu verstehen und sie für die Projektumsetzung zu nutzen. Auch lassen sich etwaige Konfliktlinien besser erkennen und mögliche Lösungen ausloten. Andererseits können so die verschiedenen Interessen gezielt in einem Kommunikationsplan adressiert und Informationen entsprechend aufbereitet werden.

Wie Bürgerenergiegemeinschaften dieses Instrument gezielt für sich nutzen und konkret anwenden können, erklärt eine neue Broschüre des Bündnis Bürgerenergie (BBEn), dem Zusammenschluss der Bürgerenergiegenossenschaften in Deutschland. „Das Ökosystem der Bürgerenergie“ ist ein Leitfaden. Er erklärt die grundlegenden Begriffe und zeigt Schritt für Schritt die genaue Vorgehensweise entlang des Analyseprozesses auf. So entsteht ein klares Bild, wer für die Projektumsetzung wichtig ist: Wer hat Einfluss, wer unterstützt, wer kritisiert, wer opponiert? Wie lassen sich die zentralen Bezugsgruppen einbinden? „Dieses Ökosystem zu kennen und sich über dessen Potentiale und Hürden im Klaren zu sein, wirkt sich entscheidend auf den Projekterfolg aus“, erklären die Autoren. Um die Energiewende zum Vorteil der Region und der Menschen, die dort leben, erfolgreich voranzutreiben, braucht es ein klares Bild der Rahmenbedingungen. Die Stakeholderanalyse liefert jedoch mehr als eine Momentaufnahme. Das Umfeld genau im Blick zu behalten, ist eine kontinuierliche Aufgabe und ein fortlaufender Prozess. Das regelmäßige Monitoring ermöglicht es, auch das eigene Handeln zu bewerten und die eigene Strategie auf eine mögliche Neuausrichtung hin zu überprüfen. Eine solche Evaluation hilft, Vorgehensweisen gegebenenfalls anzupassen, gemachte Erfahrungen einzuordnen und Erkenntnisse für künftige Projekte festzuhalten.

Die Erläuterungen der einzelnen Arbeitsschritte werden von illustrierenden Beispielen aus Bürgerenergieprojekten begleitet. Dabei geht es nicht nur um die Beziehungsarbeit mit Interessengruppen außerhalb des Projekts. Im Fokus steht auch der Blick nach innen: Welche Kompetenzen werden für die erfolgreiche Umsetzung eines Projekts und die unternehmerische Entwicklung einer Bürgerenergiegenossenschaft gebraucht? Wie lässt sich der Kreis der Aktiven gezielt erweitern und die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen? Wie steht es um Personalentwicklung, Professionalisierung und wirtschaftliches Wachstum? Wie schafft man den Sprung von ehrenamtlichem Engagement zu festangestellten Arbeitskräften? Auch darauf geben die Autoren detailliert Antwort und empfehlen Vorgehensweisen. Checklisten und Praxistipps helfen, konkrete Arbeitspakete zu schnüren.

Wie vielfältig die Stakeholder-Arbeit in der Bürgerenergie sein kann – je nach Projektart, Vorhaben- und Organisationsgröße – zeigt die Broschüre ebenfalls auf. In einem dritten Teil werden verschiedene Bürgerenergieprojekte stellvertretend vorgestellt. Die Portraits zeigen Erfolgsfaktoren und Hürden in der Stakeholder-Arbeit, um Kooperationspartner, Multiplikatoren und aktive Unterstützer zu finden.

Die Broschüre ist Teil eines dreijährigen Projekts „Energiegenossenschaften in der Nutzung von erneuerbaren Energiequellen“ des Bündnis Bürgerenergie, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert wird. Die Inhalte sind unter anderem in Workshops unter Beteiligung von BBEn-Mitgliedern und Netzwerkaktiven erarbeitet worden.

Weiterführende Informationen:

Bündnis Bürgerenergie e.V. (2020): Das Ökosystem der Bürgerenergie. Aus den Erfahrungen von Bürgerenergiegemeinschaften lernen