Energieeffizienz » Branchen.Kompass Krankenhaus

Bis zum 31.08.2016. läuft die Anmeldefrist für den EN.Kompass Krankenhaus 2016/2017.

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Finanzierung

Contracting

Hinter Contracting steht die Idee, eine Modernisierung und Optimierung von Energieerzeugungs- und -verteilungsanlagen in Immobilien ohne Einsatz eigener Geldmittel zu ermöglichen. Dabei bündelt ein Contrac-tor die Teilleistungen Planung, Finanzierung, Bau, Betrieb und Instandhaltung zu einem Gesamtpaket. Der Contractor übernimmt zudem für die Vertragslaufzeit – ganz oder teilweise – die Verantwortung und die wirtschaftlichen Risiken für den an ihn übertragenen Teil der Energiebewirtschaftung des Objekts.

In Abhängigkeit davon, ob das Gesamtpaket alle oder nur eine Auswahl dieser Teilleistungen umfasst, entstehen unterschiedliche Contracting-Varianten. Diese werden in der DIN 8930 Teil 5 “Contracting” in ihren Reinformen definiert. Diese vier Varianten sind: Energieliefer-Contracting, Finanzierungs-Contracting, technisches Anlagenmanagement und Einspar-Contracting. Kombinationen sind möglich. Allen Varianten gemein ist, dass für den Immobilieneigentümer die Zahl der Schnittstellen und Ansprechpartner erheblich reduziert wird.

Entsprechend der unten dargestellten Abbildung wird verdeutlicht, dass die Contracting-Modelle neben der Finanzierung auch zahlreiche andere essentielle Teilleistungen beinhalten. Zahlreiche Beispiele aus der Praxis belegen, dass Contracting-Lösungen unter Betrachtung der Gesamtaufgabe „wirtschaftliche Nutzenergieversorgung“ oftmals günstiger ausfallen als die isolierte Betrachtung einzelner Bausteine.

Wo kommt Contracting zum Einsatz?

Die Anwendungsbereiche von Contracting-Modellen sind vielfältig: In Frage kommen Gebäude wie Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Sportstätten, Verwaltungsgebäude, Museen oder Theater in öffentlicher, freigemeinnütziger, kirchlicher oder auch rein privatwirtschaftlicher Trägerschaft. Auch für Wohnimmobilien steht immer häufiger die Entscheidung an, ob Investitionen für eine neue Wärmeversorgung mit Eigenmitteln finanziert oder über Contracting-Modelle umgesetzt werden. Zudem ist in großen und mittleren Wirtschaftsunternenmen seit einigen Jahren ein Trend zum Outsourcing festzustellen, der auch vor der Energieversorgung nicht Halt macht.

Contracting-Modelle können hier bei Fabriken, Lagern, Werkstätten oder Geschäftsgebäuden zum Einsatz kommen. Und schließlich können innovative Beleuchtungs-Contracting-Modelle helfen, die Stromsparpotenziale bei Beleuchtungsanlagen im Innen- und Außenbereich zu erschließen.

Produkte, die ein Contractor dem Kunden in Form von letztendlich benötigter Nutzenergie liefern kann sind: Wärme, Dampf, Kälte, Strom, Druckluft oder Licht in definierter Menge und Qualität.

In Deutschland sind rund 500 Unternehmen am Markt tätig, die Contracting in den unterschiedlichen Varianten anbieten. Da die energierechtlichen Bestimmungen für Immobilieneigentümer komplexer werden, ist das Knowhow dieser spezialisierten Contractoren immer häufiger gefragt.

Contracting für Krankenhäuser

Für rund 450 Krankenhäuser, sowie viele REHA- und Pflegeeinrichtungen in NRW kann das Thema Contracting durchaus ein attraktives Modell sein. Krankenhäuser stellen in Deutschland seit jeher eine für Contractoren besonders interessante Kundengruppe dar.

Die Sanierungs- und Optimierungspotenziale im Bereich der häufig komplexen Energieversorgungssysteme sind im Regelfall überdurchschnittlich groß, das Insolvenzrisiko der Krankenhäuser ist − trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten − dennoch eher gering.

Grundsätzlich eignen sich für Krankenhäuser alle Contracting-Varianten einschließlich individueller Kombinationen. Eine Entscheidung, welche Contracting-Variante letztendlich am geeignetsten erscheint, bedarf hier einer individuellen Betrachtung.
Empfehlungen, wie ein Contracting-Projekt in einem Krankenhaus idealerweise umgesetzt wird, hängen zunächst einmal von der Art der Trägerschaft des Krankenhauses ab: Befindet sich das Haus in öffentlicher Trägerschaft, so müssen bei der Angebotseinholung und der Auftragsvergabe die formellen Vergaberichtlinien (VOB/A für Bauleistungen, VOF für freiberufliche Leistungen, VOL/A für sonstige Leistungen) eingehalten werden.

Im Unterschied hierzu sind kirchliche und privatwirtschaftliche Krankenhäuser im Regelfall nicht an formelle Bedingungen zur Angebotseinholung gebunden: Hier kann wie in einem gewerblichen Unter-nehmen frei verhandelt werden.

Projektablauf für Krankenhäuser

Die Bedeutung der Projektvorbereitung wird im Vorfeld vielfach unterschätzt. In dieser Phase findet aber häufig die Weichenstellung für den künftigen Erfolg bzw. Misserfolg eines Contracting-Vorhabens statt. Insofern sollte der Contracting-Kunde besonderes Augenmerk auf diese erste Phase legen. Mit einer allzu pauschalen Angebotseinholung sollte eine Abfrage von Contracting-Leistungen nicht gestartet werden – zumindest nicht, wenn mehrere Contractoren angefragt und die Angebote mit der Option der eigenen Umsetzung verglichen werden sollen.

Unverbindlich eingereichte Angebote von Contractoren stellen interessierte Contracting-Kunden vor Entscheidungsprobleme, da hier keine entsprechende Projektvorbereitung stattgefunden hat. Gelegentlich werden zumindest im Nachhinein Projektziele definiert und die Anbieter nachträglich aufgefordert, ihre Angebo-te entsprechend anzupassen. Viel häufiger wird leider das „Kapitel Contracting“ wegen der unerwarteten Komplexität bis auf weiteres zurückgestellt.

Weil es sich bei Contracting-Vorhaben im Regelfall um Projektgrößen handelt, deren Investitionsvolumina im sechs- bis siebenstelligen Euro-Bereich liegen, erscheint es grundsätzlich sinnvoll, eine geeignete Projektsteuerrunde einzurichten, die die Gestaltung des Projektablaufes übernimmt.

Krankenhäuser in kirchlicher und privatwirtschaftlicher Trägerschaft können sich selbstverständlich inhaltlich an die ausführlichen Leitfäden für die Zielgruppe der öffentlichen Auftraggeber anlehnen. Den typischen Ablauf eines Contracting-Projektes zeigt die Abbildung unten.

Bei Fragen stehen Ihnen die Ansprechpartner der EnergieAgentur.NRW gerne zur Verfügung.

Weitere Informationen gibt es in unsererm Online-Dossier zum Thema Contracting

Gerald Orlik
Beratung Energieeffizienz: Klimaschutz in Industrie und Gewerbe, Wissensmanagement
EnergieAgentur.NRW
Telefon: 0202 2455233
orlik@energieagentur.nrw

Ina Twardowski
Beratung Energieeffizienz: Klimaschutz in Industrie und Gewerbe
EnergieAgentur.NRW
Telefon: 0202 2455245
twardowski@energieagentur.nrw

Sie erreichen die EnergieAgentur.NRW außerdem werktags von 8 bis 18 Uhr über die Hotline unter 0211 - 8371930.