Energieeffizienz » Contracting

Matthias Nerger, Referatsleiter im NRW-Wirtschaftsministerium, sendete ein klares Bekenntnis der Politik zur Energieeffizienz.
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Rückblick auf das Führungskräftetreffen der Plattform Energieeffizienz-Dienstleistungen

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Brennstoffzellen-Contracting für Eigenheime

Eine Marktumfrage des VfW bescheinigt der Contracting-Branche einen Aufwärtstrend.
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Marktumfrage des VfW bescheinigt der Contracting-Branche einen Aufwärtstrend

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In Summe konnte durch die Projektumsetzung eine jährliche Energiekostenersparnis beginnend mit etwa 7.500 Euro kalkuliert werden. 
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Neues Referenzprojekt: Pumpentausch via Crowdlending

Contracting-Umfrage bei 100 NRW-Kommunen

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Information

Contracting-Varianten

Seit Bekanntwerden des Begriffs Contracting gab und gibt es immer wieder Verwirrung aufgrund der verwendeten Begriffsvielfalt. Klarheit – zumindest für Experten − hat erst die seit Ende 2003 veröffentlichte DIN 8930 Teil 5 "Contracting" gebracht. Die Norm definiert vier verschiedene Contracting-Varianten Energieliefer-Contracting, Finanzierungs-Contracting, technisches Anlagenmanagement und Einspar-Contracting in ihren Reinformen. Kombinationen sind möglich.

Energieliefer-Contracting

Energieliefer-Contracting ­ oder Anlagen-Contracting ­ ist die am weitesten am Markt verbreitete Variante. Anwendungsschwerpunkt ist die Erneuerung bzw. Erstinstallation von Anlagen im Bereich der Energiezentralen. Der Contractor übernimmt ­ je nach gewünschtem Leistungsumfang Planung, Finanzierung, Bau, Betrieb und Instandhaltung sowie zumeist den Brennstoffbezug. Übliche Vertragslaufzeiten umfassen 10 bis 15 Jahre.

Als fertiges Produkt liefert der Contractor dem Kunden die letztendlich benötigte Nutzenergie in Form von Wärme, Dampf, Kälte, Strom, Druckluft oder Licht in definierter Menge und Qualität.

Die Vergütung erfolgt auf Basis eines zumeist zweiteiligen Preissystems bestehend aus:

Grundpreis [in €/a]

Arbeitspreis [in €/Einheit Nutzenergie]

Die Preise unterliegen fest vereinbarten Preisgleitklauseln, um Änderungen der Brennstoffpreise und Lohn- und Materialkosten an den Kunden weitergeben zu können. Energieliefer-Contracting eignet sich für bestehende Gebäude und Neubauten.

Finanzierungs-Contracting

Finanzierungs-Contracting bzw. Anlagenbau-Leasing ist in der Regel weniger verbreitet und belässt im Unterschied zu anderen Contracting-Modellen den Anlagenbetrieb beim Contractingnehmer. Das Dienstleistungspaket beinhaltet im Wesentlichen die Leistungen Planung, Finanzierung und Bau zumeist gut abgrenzbarer Anlagentechniken, wie z.B. Beleuchtungs- oder Wärmerückgewinnungsanlagen. Die Höhe der üblicherweise festen Entgelte an den Contractor hängt – wie beim Leasing – von der Vertragslaufzeit und der Höhe der Investitionen ab.

Technisches Anlagenmanagement

Beim Technischen Anlagenmanagement (Betriebsführungs-Contracting) – bildet der optimierte Betrieb bestehender oder neuer energietechnischer Anlagen den Schwerpunkt der Dienstleistung. Während bei marktüblichen Wartungs- und Serviceverträgen der Anlagenbetrieb in der Verantwortung des Kunden bleibt, übernimmt bei diesem Modell der Contractor die Betriebsführung. Die Form der Leistungsvergütung an den Contractor ähnelt üblicherweise dem Vergütungsmodell des Energieliefer-Contractings, jedoch mit deutlich geringeren Grundpreisen.

Vertragslaufzeiten können mit ein bis zwei Jahren sehr kurz, selten längerfristig sein. Nicht selten geht eine Vereinbarung über Technisches Anlagenmanagement bei Notwendigkeit einer umfangreicheren Anlagenmodernisierung in ein Energieliefer-Contracting über.

Energiespar-Contracting

Beim Energiespar-Contracting, auch als Performance-Contracting bekannt, verkauft der Contractor im Unterschied zum Energieliefer-Contracting keine effizient erzeugte Nutzenergie, sondern ein Energiesparkonzept mit verbindlicher Einspargarantie für die benötigten Endenergien wie Strom, Gas, Heizöl, Fernwärme oder Wasser bzw. Abwasser.

Häufig findet bei dieser Variante eine gewerkeübergreifende Optimierung der vorhandenen Gebäudetechnik statt. Leitgedanke ist eine durch den Contractor garantierte Energiekostensenkung, die ausreicht, vorhandene und durch den Contractor vorfinanzierte Optimierungs- und Modernisierungsinvestitionen über die Vertragslaufzeit zu refinanzieren.

Übliche Vertragslaufzeiten für dieses Modell betragen 6 bis 15 Jahre. Energiespar-Contracting eignet sich für größere Einzelgebäude oder Gebäudekomplexe mit mehr als 150.000 € Energiekosten pro Jahr. Kleineren Gebäuden (z. B. Schulen, Verwaltungsgebäuden) steht der Zugang zu diesem Modell durch eine Bündelung mit größeren Objekten zu einem Gebäudepool ebenfalls offen.

In vermieteten Gebäuden mit vielen Nutzern ist Energiespar-Contracting nicht ohne weiteres umsetzbar.

Die Vergütung des Contractors ist im Regelfall erfolgsabhängig oder erfolgt auf Grundlage nachgewiesener oder zumindest rechnerisch ermittelbarer Energieeinsparungen. Eine typische Entgeltregelung ist:

Contractingrate [in €/a]

Berechnung aus erreichter Energieeinsparung bewertet mit Referenzenergiepreisen und Referenzverbrauch (sog. „Energiekosten-Baseline“) vor Umsetzung der Contracting-Maßnahmen.

Einspargarantien in Höhe von 20 bis 25 % der bisherigen Energiekosten können als durchschnittlich angesehen werden. Wird die Einsparquote am Jahresende nicht erreicht, geht der Minderbetrag zu finanziellen Lasten des Contractors. Wird das Einsparziel überschritten, teilen sich Kunde und Contractor den zusätzlichen Erfolg im Regelfall nach vereinbarten Verteilungsschlüsseln auf.

Energiespar-Contracting plus bauliche Sanierung

Neben der Gebäudetechnik werden durch Weiterentwicklungen beim „Energiespar-Contracting plus“ Maßnahmen im baulichen Wärmeschutz im Einspar-Garantievertrag berücksichtigt.

Die Amortisationszeiten von baulichen Maßnahmen, wie etwa die Dämmung der Gebäudehülle, sind meist länger als die üblichen Vertragslaufzeiten von Energiespar-Contracting. Betrachtet man allerdings die Nutzungsdauer eines Gebäudes, sind solche Maßnahmen ebenfalls häufig wirtschaftlich.

Um eine Gesamtoptimierung mit allen baulichen, technischen und organisatorischen Möglichkeiten im Rahmen eines ganzheitlichen Energiespar-Contracting-Projektes realisieren zu können, bieten sich Optionen wie

  • die Zahlung eines einmaligen Baukostenzuschusses durch den Gebäudeeigentümer
  • die Zahlung eines zusätzlichen festen Grundpreises [in €/a] oder
  • eine Verlängerung der Vertragslaufzeit

an, sofern Contractor und Kunde sich hierauf verständigen und eine langjährige Nutzung des Gebäudes abzusehen ist.

Die Einspargarantie des Contractors gilt dann für das gesamte Maßnahmenpaket. Er übernimmt die Verantwortung für die Umsetzung und Instandhaltung aller Maßnahmen.

Kombinations-Modelle

Grundsätzlich sind Kombinationen unterschiedlicher Contracting-Varianten möglich und – bislang allerdings eher selten − in der Praxis vorzufinden. Gründe für die fehlende Verbreitung von Kombinations-Modellen stellen sicherlich das Fehlen öffentlich zugänglicher Vertragsmuster und Ausschreibungstexte sowie die Interessen der jeweiligen Contracting-Anbieter dar.

Tendenziell bieten „versorgungsorientierte“ Contractoren eher Energieliefer-Contracting und Technisches Anlagenmanagement, „technologieorientierte“ Contractoren durchaus Energiespar- und Finanzierungs-Contracting-Lösungen an.

In jüngerer Zeit ist speziell bei führenden Anbietern von Energieliefer-Contracting eine Weiterentwicklung ihrer Dienstleistungen in Richtung einer verbindlichen Effizienz- oder Verbrauchsgarantie zu beobachten, z.B. durch Energieliefer-Contracting mit garantiertem Maximalverbrauch (Energiebudget-Contracting), u. Ä.

Nachhaltiges Erfolgscontracting

Mit dem BMWi-Forschungsprojekt „naerco“ wurde ein ganz neues Contracting-Modell zum „Nachhaltigen Erfolgscontracting“ entwickelt. Seit 2011 wird es am Gymnasium Marktoberdorf (Bayern) in einer ersten Pilotanwendung erprobt. Der Leitgedanke des Nachhaltigen Erfolgscontractings ist: im Unterschied zum Energieliefer-Contracting, bei dem effizient erzeugte Nutzenergie aus neuen Anlagen geliefert wird, oder zum Energiespar-Contracting, bei dem eine verbindliche Einspargarantie durch ein zu entwickelndes Energiesparkonzept im Fokus steht, geht es beim Nachhaltigen Erfolgscontracting um eine vom Contractor zu garantierende Einhaltung vorab definierter Komfort- und Qualitätskriterien in den Räumen hinsichtlich Temperaturen, Luftfeuchte oder Energiekennwerte. Für deren Erreichung ist der Contractor mit einem durch ihn umzusetzendes Technikkonzept verantwortlich.

Die Contracting-Rate wird beispielsweise als Betriebsführungsentgelt in €/a abgerechnet. Abweichungen von den Soll-Kriterien müssen nachgebessert werden und führen zu einer Zahlungsminderung.

Herr Christian Tögel
Leiter Beratung Geschäfts-, Finanzierungs- und Vermarktungsmodelle
EnergieAgentur.NRW
Telefon: 0202 2455234
toegel@energieagentur.nrw

Herr Dominic Hornung
Beratung Geschäfts-, Finanzierungs- und Vermarktungsmodelle
EnergieAgentur.NRW
Telefon: 0211 86642390
hornung@energieagentur.nrw

Sie erreichen die EnergieAgentur.NRW außerdem werktags von 8 bis 18 Uhr über die Hotline unter 0211 - 8371930.